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NCCR Mediality
UZH




Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) sind ein Förderungsmittel des Schweizerischen Nationalfonds.
B. Interferenz (2005-2009)
B.1. (2005-2009) Inszenierungen von Schrift. Übersetzung, Vokalität, Schriftbewusstsein in den skandinavischen Literaturen des Mittelalters

Im Zuge der Christianisierung hält die lateinische Schrift um 1000 Einzug in Skandinavien. Nach lateinischsprachigen Anfängen findet sie ab dem 12. Jahrhundert zunehmend auch für das volkssprachige Erzählen Verwendung. Das Teilprojekt wird untersuchen, wie sich Schrift als Medium der Darstellung und der Diskussion komplexer narrativer Probleme in volkssprachigen Texten im Laufe des 12.–14. Jahrhunderts etabliert und wie sich der altnordischen Literatur besonders mit der Übersetzung und Transmission der höfischen Dichtung im 13. Jahrhundert neue Möglichkeiten eröffnen, die gleichzeitig zu einem geänderten Schrift- und Medienbewusstsein führen.
Die leitenden Problemstellungen des Projekts, die an unterschiedlichen Gattungen wie z.B. der Skaldik, den Isländersagas und den Rittersagas in repräsentativen Fallstudien analysiert werden, fragen danach, wie die Texte ihre Medialität selber thematisieren und in teilweise sehr avancierter Weise inszenieren: Wie wird Schrift in fiktionalen Texten des skandinavischen Mittelalters verwendet? Vor allem jedoch: Wie werden die Möglichkeiten des Mediums Schrift für die Diskussion von Fragen der Fiktionalität, der Medialität, des Gedächtnisses, der Transmission in den zu behandelnden Texten erörtert? Wozu ist dieses Medium überhaupt fähig, was ist sein Potential zur Diskussion von Fragen, wie und was konzeptionell schriftliche Literatur im Unterschied zu konzeptionell mündlicher Literatur erzählen kann? Dass im 13. Jahrhundert Schrift vorhanden und Texte wie die Rittersagas und Isländersagas schriftlich konzipiert werden, steht für das Projekt außer Frage. Ebenso unbestritten und folglich eine Ausgangsposition des Projekts ist die Tatsache, dass sämtliche Literatur der Zeit insofern oral ist, als sie von der Vokalität bestimmt ist. Die übergeordnete Fragestellung des Projekts nach dem Medienwandel und dem Medienwechsel soll somit in diesem skandinavistischen Teilprojekt als Problematik des Schriftbewusstseins, der Medialitätsreflexion und damit untrennbar zusammenhängend der Transmission konkretisiert werden.




Prof. Dr. Jürg Glauser


Dr. Kate Heslop, Wiss. Mitarbeiterin
Ellen E. Peters M.A., Doktorandin