NCCR Mediality
UZH




Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) sind ein Förderungsmittel des Schweizerischen Nationalfonds.
C. Ostentation (2005-2009)
C.1. (2005-2009) Komplexe Medialitäten des späten Mittelalters: Das Beispiel des volkssprachigen geistlichen Spiels

Unter den kollektiven Sinnstiftungen des späten Mittelalters besitzen die geistlichen Spiele besondere Bedeutung. Sie vermitteln die zentralen Heilstatsachen (Geburt Christi, Passion, Auferstehung, Himmelfahrt, Fronleichnam) in Anschluss an die Evangelien und das christliche Dogma. Sie gestalten sie aber auch aus: in Erfahrungsräumen, in denen sich Abstraktes und Konkretes, Festliches und Alltägliches, Geschichtliches und Gegenwärtiges verbinden. Als Teil der Frömmigkeitspraktiken der Zeit stellen sie zugleich ein Phänomen dar, an dem die Praktiken der Inszenierung und deren Medialitäten hervorragend beobachtet werden können.
Das Teilprojekt zielt auf eine historisch angemessene Beschreibung des geistlichen Spiels, ein epochenspezifisches Verständnis von Text und Theater sowie ein komplexeres Modell von Performanz und Präsenz. Berücksichtigt werden die medialen, dialogischen und dramatischen Dynamiken der überlieferten Zeichengefüge, die unterschiedlichen historischen Kontexte, die Wechselwirkungen mit anderen textuellen und visuellen Formen (s. auch Teilprojekt C.2. Medialität der Wallfahrt). Besonderes Augenmerk gehört den Beziehungen zur Ikonographie, zu Liturgie und Kult (s. auch Teilprojekt C.3. Die Inszenierung von Reliquien) sowie zur biblischen und theologischen Tradition.
Kooperationen bestehen mit dem Unterprojekt «Emotionalität und Performativität im geistlichen Spiel» im Teilprojekt «Emotionalität in der Literatur des Mittelalters» des Sonderforschungsbereichs «Kulturen des Performativen» an der FU Berlin (Prof. Dr. Ingrid Kasten) sowie mit dem Projekt «Textdimensionen: Medialität – Funktionalität – Performativität» an der Universität Amsterdam (Prof. Dr. Carla Dauven-van Knippenberg).



Prof. Dr. Christian Kiening


Dr. Aleksandra Prica, Doktorandin
Dr. Cornelia Herberichs, Wiss. Mitarbeiterin
Dr. Sabine Chabr, Doktorandin