Diese Website wird nicht mehr aktualisiert. Besuchen Sie die neue Website www.zhm.uzh.ch.
NCCR Mediality
UZH




Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) sind ein Förderungsmittel des Schweizerischen Nationalfonds.
E. Übertragung
E.8. Ikonologie des Textilen

Die Fabrikation von Textilien gehört zu den ältesten und fundamentalen Kulturtechnologien. Dem Textil kann in diesem Kontext sowohl als technischem Produkt wie auch als Bildmedium oder Material Bedeutung zugesprochen werden. Das Ziel des interdisziplinären Forschungsprojektes ist eine umfassende Untersuchung der historischen Bedeutungen, Funktionen und Theorien des textilen Mediums in Kunst und Architektur vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Erforschung dieses gestalterischen Mediums soll zu einer allseitigen Bearbeitung des Textilen in seiner künstlerischen Performativität führen. Dabei wird methodologisch auf den Terminus der Ikonologie zurückgegriffen, der in den letzten bild- und kulturwissenschaftlichen Studien unter den Prämissen der Rezeptionsgeschichte und Hermeneutik wiederbelebt und neudefiniert wurde. In diesem Sinne, in Analogie zur Kunsttheorie, die sich seit der frühen Neuzeit insbesondere an der Malerei orientiert, gilt es, einen spezifischen und autonomen Textildiskurs zu rekonstruieren und zu beschreiben. Dabei wird das Textile nicht nur in Hinsicht auf das Material in der Kunst bzw. die künstlerische Techniken, sondern vor allem als fragiles und mit theoretischen Grundlagen ausgestattetes Gestaltungsmittel in seiner bildgenerierenden bzw. medialen Qualität untersucht. Die Fragestellungen um das Potential des Textilen oszillieren dementsprechend zwischen Themenfeldern von Materialität, Visualität, Performanz und Medialität. Das Projekt beschäftigt sich insofern mit einem neuen, vielfältigen Forschungsfeld, das zwischen den Disziplinen Kunst- und Architekturgeschichte und im Bereich der Bildwissenschaft zu verorten ist, das aber auch andere Disziplinen betrifft wie etwa die Medientheorie, Kultur- und Literaturwissenschaften wie auch die Sozialgeschichte. Darüber hinaus versucht es, die zwei sich voneinander entfernenden Wissenschaftskulturen der Universität und des Museums miteinander zu verbinden, indem die theoretischen Grundlagen des Textilen als Medium anhand konkreter Kunstobjekte diskutiert werden. Schliesslich bezieht es transdisziplinäre Erfahrungen aus der zeitgenössischen Textilkunst, die der Fragestellung eine andauernde Aktualität verleiht.
Das Projekt behandelt somit Themen und Objekte wie etwa textile Medien der Malerei und Skulptur, textile Räume, sakrale Textilien, figurative Tapisserien, Installationskunst, literarische Texten und architektonische Materialien und Formen. Im Rahmen der Untersuchung werden ebenfalls Ursprungsmythen der textilen Künste, Theorien der Repräsentation, begriffliche Wechselbeziehungen zwischen Text, Narration und Stoff, analysiert, wie auch das Phänomen der Transmedialität des Textilmediums, die Frage nach dem Geschlecht des Textilen, und schliesslich das aktuelle Problem der Modernität der textilen Künste. Dies verlangt eine Vielfalt zweckorientierter Methoden, die von der traditionellen Ikonologie bis zu (bild)anthropologischen Ansätzen und von der Geschlechterforschung bis zur Textanalyse reichen. Kunst- und Architekturgeschichte sollen dabei in Richtung einer allgemeinen Geschichte der Bilder, Medien und Artefakte samt ihrer historischen Theorien weiter entwickelt werden.

Gesamtprojekt:
http://www.khist.uzh.ch/neuzeit/res/textile.html