NCCR Mediality
UZH




Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) sind ein Förderungsmittel des Schweizerischen Nationalfonds.
X. Ostentation
X.1. Stadt zeigen. Raum-zeitliche Medialisierungen von Urbanität im Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit

Ausgehend von aktuellen geschichtswissenschaftlichen Überlegungen zur Notwendigkeit neuer Modelle der Darstellung komplexer Raum-Zeit-Verhältnisse fragt das Teilprojekt nach historischen Mustern der Vermittlung urbaner Räumlichkeit und Zeitlichkeit in einer Periode, die in den Medienwissenschaften mit Umbrüchen verbunden wird, in kulturgeschichtlichen Kontexten jedoch immer mehr als Phase des Übergangs gilt. Dazu wird die erstaunliche Vielfalt an chronikalischen, beschreibenden, bildlichen und kartographischen Stadtdarstellungen des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit in den Blick genommen und vor allem solche Tradition, die Raumdarstellung und Historiographie eng führt. An Städtebildern in der Chronistik und bildlichen Darstellungen von Städten mit kleinen Formen der Geschichtsschreibung sollen unterschiedlich funktionierende Modi der Zurschaustellung eines komplexen Phänomens in seinen räumlichen und geschichtlichen Dimensionen untersucht werden. Dabei interessieren insbesondere die Logiken der Vermittlung von Urbanität sowie die Austauschbeziehungen und Kippbewegungen zwischen schriftlichen und bildlichen Formen des Zeigens von Stadt, aber auch die Grenzen, die sich mit der grundsätzlichen Unmöglichkeit ergeben, die Stadt in ihrer gewachsenen Vielfalt zu vermitteln. Gleichzeitig soll die Bedeutung neuer Technologien bei der Konturierung von Darstellungsmustern akzentuiert werden, wie sie in den Kommunikations- und Sozialwissenschaften für das Zeitalter der Massenmedien beobachtet wird.

Dissertationsprojekt Daniela Schulte

Die zerstörte Stadt. Chronikalische Vermittlung von Katastrophen zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert

In der Geschichtsschreibung des Spätmittelalters bildeten sich neue Formen der Reflexion über lokale Ereignisse und zugleich über die Möglichkeiten von deren Vermittlung aus. Insbesondere die reich illustrierten eidgenössischen Chroniken lassen eine Vielfalt medialer Strategien der Inszenierung besonderer Begebenheiten in Städten erkennen. Anders als bisherige Untersuchungen zu Katastrophen, die vor allem die sozialen Implikationen von Stadtzerstörung analysieren, fragt das Dissertationsprojekt, wie Stadtzerstörung chronikalisch vermittelt und eine Deutung historischer Ereignisse etabliert wird. Es befasst sich mit dem Problem, dass die Chronik als Medium von Geschichte unter anderem darauf abzielte, Ordnung, Kontinuität und Tradition zu vermitteln, und gleichzeitig Stadtzerstörungen als markante Einschnitte in der Stadtgeschichte berücksichtigen und damit die Fragilität von Ordnung mit in die Erzählung einbeziehen musste. Es stellt sich die Frage, welche Lösungen die Geschichtsschreibung für die Einbindung der Zerstörung in die Darstellung und damit in das vermittelte Weltbild fand und wo sich Grenzen der Darstellbarkeit zeigen.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die medialen Strategien der Deutung von Stadtzerstörung als Ereignis. Analysiert wird, wie Chroniken die Zerstörung der Stadt beschreiben und wie Texte und Bilder für sich funktionieren und miteinander interagieren. Dabei wird zum einen von der Frage ausgegangen, in welcher Weise der Stadtraum, welcher sonst die Ordnung symbolisiert, nun zerstört dargestellt wird. Zum anderen wird den Verfahren der Einordnung der historischen Ereignisse und mithin den chronikalischen Verfahren der Historisierung und Aktualisierung nachgegangen.
Quellengrundlage bilden im Kern die illustrierten Chroniken des 15. und 16. Jahrhunderts aus dem Gebiet der Eidgenossenschaft. Dazu gehören die städtischen Geschichtswerke, die insofern einen besonderen Typus chronikalischer Aufzeichnung darstellen, als sie lokale Geschichtsschreibung mit einer Fülle von Bildern verbinden. Dazu zählen aber auch die ersten im 16. Jahrhundert gedruckten Chroniken, die sich nunmehr auf die Eidgenossenschaft als politische Entität beziehen (wie die Chronik von Johannes Stumpf). Indem sowohl Handschriften wie Druckwerke in Betracht gezogen werden, lassen sich Kontinuität und Wandel im Umgang mit der Vermittlung städtischer Katastrophen an der Wende vom Handschriften- zum Druckzeitalter beobachten.